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Schere, Stein, Papier von Naja Marie Aidt

Naja Marie AidtSchere, Stein, Papier ist der Roman der dänischen Autorin Naja Marie Aidt, in dem eine unheilvolle Fehlentscheidung mit all ihren bitteren Konsequenzen durchexerziert wird.

Der Tod des kleinkriminellen Vaters ist kein wirklicher Verlust für die Geschwister Thomas und Jenny. Zu schrecklich sind die Erinnerungen an ihre Kindheit, die von der Vernachlässigung und den Gewaltübergriffen des Vaters geprägt war. Während sich Jenny in die Trauer über den Tod des Vaters steigert, weil sich das doch so gehört, verspürt Thomas Erleichterung – auch diese ist nur eingebildet. Das Erbe schlagen sie aus, kehren dennoch zurück in die Wohnung des Vaters. Dort klammert sich Jenny an den Toaster, weil so viele gute Erinnerungen an ihm hängen. Im Toaster versteckt sind zwei Geldbündel, die Thomas findet. Er beschließt, das Geld für sich zu behalten und teilt seinen Fund mit niemandem.
Mit dieser egoistischen Entscheidung beginnt das Unheil, seine Beziehung fällt langsam auseinander und immer wieder befallen Thomas Angstattacken, denn er fühlt sich verfolgt. Die Lage spitzt sich zu. Immer wieder brechen Aggessivitäten an die Oberfläche und Gewaltphantasien formen sich in seinen Gedanken. Dem eigenen verhassten Vater ist Thomas damit gar nicht so unähnlich. Auch wenn Thomas seinen Wohlstand teilen will, isoliert ihn das Geheimnis immer weiter von seinen Freunden und seiner Familie.

Auf sehr beeindruckende Weise gelingt es Aidt, vom schweren Erbe der Vergangenheit zu erzählen. Jenny und Thomas können sich von dem Schrecken der Kindheit nicht freimachen. Auch der Tod des Vaters soll keine Erleichterung bringen. Die Vernachlässigung und Gewalt kann nicht wieder gut gemacht werden. Es ist an Jenny und Thomas selbst etwas Gutes zu schaffen, ihre Zukunft zu bauen und alles anders zu machen. Doch es fällt ihnen schwer, sich von der Vergangenheit zu lösen, denn auch Jenny kämpft mit der Beziehung zu ihrem Kind, Thomas dagegen wagt es erst gar nicht, ein Kind groß zu ziehen.
Wie beim Spiel „Schere, Stein, Papier“ umkreisen und belauern sich die Figuren, wägen ihren nächsten Schritt ab, geben sich geschlagen oder spielen weiter. Aidt sind viele interessante Charaktere gelungen, die in einer spannenden Handlung verstrickt sind.

Naja Marie Aidt

 Lieben Dank an den Luchterhand Literaturverlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!

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1 Comment

  • Reply
    Ina
    29. Juni 2017 at 14:38

    Bin gespannt 😳 LG

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